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Purpurmond

Autor: Heike Eva Schmidt
Seitenanzahl: 352
Verlag: PAN
Preis: 14,99€
Kaufen? : Purpurmond

 Cat findet im alten Drudenhaus in Bamberg einen hübschen Kupferhalsring, den sie sich aus Neugier sofort umlegt. Dazu entdeckt sie ein Stück Leder mit eingebrannter Schrift. Cat ließt laut vor, was da steht und befindet sich auf einmal im 17. Jahrhundert. Zunächst hält sie das Ganze für einen Traum, doch als sie wieder Zuhause landet und ihre Klamotten vollkommen zerschlissen sind, weiß sie, dass es Wirklichkeit war. Und zudem bekommt sie den Halsreif auch nicht mehr ab. Im Gegenteil- er wird immer enger. Damit Cat nicht erstickt muss sie noch einmal ins 17. Jahrhundert reisen und die Frau finden, die den Halsreif verflucht hat ...

Am darauffolgenden Wochenende landeten wir alle zusammen auf einer ziemlich schrägen Karaokeparty, die nur Oldies spielte und nichts aus den aktuellen Charts auf Lager hatte. Also grölte Nico den 60er-Jahre-Song "The Lion Sleeps Tonight" ins Mikro, während Anna, Caro und ich uns als Background-Sängerinnen anboten und in einem grauenhaften Falsett >a-weema-wep, a-weema-wep< jaulten.

 Bücher mit Zeitreisen kann man jedes Mal komplett neu gestalten- das beweist Heike Eva Schmidt mit ihrem - wie ich verblüfft feststellen musste - Debutfantasyroman, der einen von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Der Klappentext klingt womöglich schon vielversprechend, aber das ist nichts verglichen mit dem Gesamtpaket! Schmidt führt den Leser sorgsam in die Geschichte ein und denkt daran, alles genau zu erklären und direkt einmal klarzustellen, wie Cat - eigentlich Caitlin - von der Art her ist. Und nein, sie ist keine arrogante Zicke, so wie sie oft bezeichnet wird. Sie kann Bamberg bloß nicht leiden, was wohl auch nicht besonders wunderlich ist, denn sie hat vorher in Berlin gelebt. Und sie ist nahezu verwirrt, als Sina - ihre beste Feindin - sie zu einer Party im Drudenhaus einlädt, die sich doch nur als Mobbingparty herausstellt und letztendlich sperrt sie Cat dort unten ein und haut ab. Cat ist sich sicher- dafür wird Sina büßen, doch dann findet sie per Zufall diesen Halsreif und das Stück Leder mit dem Text:
"Erbarm dich mein o herre got
nach deyner grosn barmhertzigkeyt
sich herr ynn sund byn ich geborn
ynn sund enpfyng mich mein mutter"
 Und da landete sie dann auch schon im 17. Jahrhundert, jedoch nicht, ohne vorher den Text laut vorgelesen zu haben.
Mir fiel im 1.Kapitel allerdings an einer Stelle auf, dass Cat ein wenig unlogisch gehandelt hatte. Dort stand "Bald würde ein Docht nach dem anderen herunterbrennen, die Kerzenflammen verlöschen - und dann säße ich im Dunkeln." Wobei ich mich fragte, weshalb sie nicht einfach einige Kerzen auspustete, wartete bis die, die an waren, fast abgebrannt waren und dann die Kerzen, die aus waren, wieder anzündete. Dann hätten sie eindeutig länger gebrannt, aber vermutlich war mein Denken in dem Moment einfach zu logisch und Cat ist in ihrer "Notsituation" einfach nicht draufgekommen, was nicht unbedingt eine Tragödie ist, denn letztendlich kam sie ja wieder aus dem Drudenkeller raus.

Heike Eva Schmidt schrieb mit unglaublich viel Humor und Witz an diesem Buch. Sie besaß die Jugendsprache einfach perfekt und hätte ich es nicht besser gewusst, hätte ich gedacht, Cat hätte dieses Buch höchstpersönlich geschrieben. Irgendwann lag ich nur noch da und hielt mir lachend den Bauch. Jedoch wäre das Buch nicht sehr gut dafür geeignet, in andere Sprachen übersetzt zu werden. Dafür besitzt es zu viele Insider, die man nur versteht, wenn man selbst in Deutschland lebt. Ein Beispiel: "Ich kam mir plötzlich wie ein zerrupftes Huhn vor. Ungeschminkt und in diesen unförmigen Männerklamotten war mir klar: Heidi Klums Jury hätte eute sicher kein Foto für mich." Man könnte als Italiener sicherlich wissen, das Heidi Klum diejenige von Germanys next Topmodel ist, aber woher sollte der Italiener wissen, dass man ein Foto von ihr bekommt, wenn man eine Runde weiter ist?
  Genau genommen, war mir das aber egal. Denn ich hatte mich direkt in all diese kleinen Insider verliebt. Ich konnte mich perfekt in Cat hineinversetzen und hatte bald schon das Gefühl, sie zu sein, denn ich benahm mich genau wie sie, dachte genau wie sie und redete sogar genau wie sie.

Auch wenn ich nicht genug von Cat bekommen konnte, mochte ich auch die Kapitel, die aus der Sicht von Dorothea Flock, die im 17. Jahrhundert lebte, geschrieben waren. Cat lernte sie bei einem ihrer "Ausflüge" kennen, als sie sich noch als Jungen ausgab. Doch Dorothea und sie verstanden sich sofort prächtig und bald schon "outete" Cat sich Dorothea gegenüber als Mädchen. Sie konnte nicht kontrollieren, wann sie zurück in ihre Zeit - ins Jahr 2012 - geschleudert wurde. Es geschah einfach zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Grete Hahn spielt hier eine, wie ich finde, wichtige Rolle. Sie ist die Nachbarin von Dorothea und auch Cat lernt sie im Laufe des Buches kennen, aber auch eine in ihrer Zeit lebende Margret Haan. Als ich die Namen miteinander verglich hatte ich direkt ein misstrauisches Gefühl. War das Buch etwa ein wenig voraussehbar?
Was sich darauf entwickelte, müsst ihr selbst lesen.

Cat ist sofort von Jakob hingerissen. Er sieht toll aus, er sieht toll aus und er sieht toll aus. Das denkt sie zunächst von ihm, doch dann stellt sich heraus, dass er sogar total nett ist und an seine Mitmenschen denkt. Allerdings ist Jakobus ein Mönch und darf sich daher nicht mit Frauen einlassen. Er ist Dorotheas Bruder und umgeht gerne mal die Regeln des Klosters, um seine Schwester zu besuchen, denn seitdem ihre Mutter gestorben ist, fühlt sie sich unendlich einsam.
  Was sich aus Cat und Jakob entwickelt, werde ich hier nicht verraten.

Man erfährt ein wenig mehr über die Hexenverbrennungen, auch wenn die Autorin manche Dinge ein wenig verändert hat, was sie jedoch in in den "anmerkungen" ganz hinten im Buch erwähnt. Zudem erklärt sie auch, dass es Dorothea Flock wirklich gab, sie ihren geliebten Daniel Förg jedoch nur frei erfunden hat.
  Daniel ist im Buch der Sohn von Friedrich Förg, dem obersten Richter von Bamberg. Friedrich Förg ist ein kaltblütiger Mann, der bei den Hexenverbrennungen den Befehl gibt, das Feuer zu entzünden.
Er spielt im Buch eine sehr große Rolle, vorallem Dorothea gegenüber, aber auch Cat bekommt mit ihm zu tun. Leider nicht im positiven Sinne. Richter Förg will Dorothea zur Frau haben, doch die ist davon wenig begeistert und versucht ihm zu entkommen.

Besonders witzig fand ich es immer, wenn Cat sich in altertümlicher Sprache versuchte. Zum Beispiel, wenn ihr ein "Oh, Shit!" rausplatzte und sie das Ganze dann noch ein wenig veränderte mit "Ähm, ich meinte natürlich ..." und darin tut sie sich wirklich ausgesprochen gut.
  Aber ihr ist klar, dass sie weiterhin in 2012 leben will, auch wenn sie Dorothea, Daniel und Jakob noch so lieb gewonnen hat.
Als ich das Buch zuschlug, war ich traurig, dass es bereits geendet hatte und ich hoffte inbrünstig auf eine Fortsetzung, obwohl ich das stark bezweifle. Hier hilft es wohl nur, die Autorin selbst zu fragen.
  Dieses Buch erinnerte mich daran, wie sehr ich Bücher von deutschen Autoren liebe! Der Schreibstil ist komplett anders, als der bei den übersetzten, bei denen die Übersetzer bestimmte Satzbauarten gar nicht anwenden können, da sie den Satz ja irgendwie sachlich halten müssen und vom Inhalt her nicht vom Original abweichen sollten.

Fazit: Man verliebt sich regelrecht in dieses Buch! Ich konnte nicht genug von Cat, Dorothea, Jakob und Daniel bekommen und finde persönlich das Thema Hexenverbrennung auch sehr interessant. Und Hexenverbennungen + Zeitreisen = Perfekt spannend, witzig und romantisch!
Dieses kleine Schmuckstück ist äußerst empfehlenswert und ich kann es jedem nur ans Herz legen!

 

5 von 5 Hühnern für diese fesselnde Geschichte!

Hier geht es zur Leseprobe

4 Responses to Purpurmond

  1. Wunderschöne Rezi, du Hexen-Huhn.
    Ich liebe deine Sprache einfach! :)
    Haha, ich wollte gerade sagen (äh schreiben), dass ich es toll finden würde, wenn du mal eine eigene Geschichte postest und genau jetzt seh ich, dass du das schon längst gemacht hast :D
    So, ich les dann jetzt mal!;) ♥

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  2. a-weema-wep, a-weema-wep, a-weema-wep, a-weema-wep - ooooooooooooh, the lion sleeps tonight!!!!!! *lachflash*
    Super tolle Rezi - wir hatten größtenteils die gleichen Zitate xDDDDDD Das mit dem Foto hatte ich - NATÜRLICH!!! - auch :DDDDD
    <3333333333333333

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  3. Schöne Rezi :) Ich will das Buch unbedingt bald lesen :)

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  4. Dass du ein bisschen auf Gabriel stehst, hatte ich schon gelesen. ;) Mir hat er aber etwas wenig Gefühle gezeigt bzw. überhaupt geredet. :D
    Lg Jacquy

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