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Love You Hate You Miss You

Autor: Elizabeth Scott
Seitenanzahl: 288
Verlag: Dtv
Preis: 7,95€
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Julia ist tot. Amys beste Freundin, die immer wusste, was sie sagen konnte, die jeder kannte und die auf keiner Party fehlen durfte. Das Mädchen mit dem unbeschreiblichen Lachen und den tollen Einfällen. Das Mädchen, das vor nichts zurückschreckte. Amy wollte immer sein wie sie. Und jetzt ist Julia tot. Amy versucht ihren Schmerz zu verarbeiten und geht einmal wöchentlich zu ihrer Therapeutin Laurie. Sie kehrt wieder zur Schule zurück und soll zurück in den Alltag finden. Aber Amy ist eine Außenseiterin, denn es ist ihre Schuld, dass Julia tot ist. Das denkt sie zumindest. Sie beginnt Julia Briefe zu schreiben und bereut jede ihrer Entscheidungen immer mehr.

Ich ertrage es nicht, dass du fort bist. Und es tut mir so leid, Julia. Wenn du wüsstest, wie leid es mir tut, was passiert ist. Was ich getan habe. Ich weiß, das sind nur Worte. Aber ich meine es ernst, ich schwör's dir. Es tut mir leid. Bitte verzeih mir. Alles.
"Love You Hate You Miss You." Ist kein Buch, in dem großartig Spannung aufkommen soll, in dem es um irgendwelche Trennungen und Liebesbeziehungen geht oder irgendwelche großartigen Dinge, bei denen man die Welt retten muss. Das Buch ist eher ein Buch der Gefühle. Es geht um Amy und wie sie mit dem Tod ihrer besten Freundin zurechtkommt. Nämlich gar nicht. Sie denkt, es sei ihre Schuld, dass Julia tot ist. Das denkt jeder. Ihre Eltern und ihre Therapeutin erzählen ihr Anderes, aber Amy weiß es sicher. In ihrer Schule hat sie keinerlei Freunde, denn niemand will etwas mit der Mörderin zu tun haben. Nicht einmal in der Mittagspause gibt es einen vernünftigen Tisch, an den sie sich setzen kann. Also schreibt sie Briefe an ihre verunglückte Freundin. Sie schreibt Julia, wie es ihr geht, was sie macht und wie sie über dieses und jenes denkt. Sie muss die Erinnerungen an Julia verarbeiten, doch sie klammert sich lediglich verzweifelt daran fest.

Wie es Amy tatsächlich ging, merkte ich zu Anfang des Buches noch gar nicht richtig. Ich sah, dass ihre Eltern sich seltsam benahmen und Amy irgendwie ... emotionslos schien. Das erste Kapitel ist ein Brief an Julia. Amys erster. Es endet mit dem Satz "Ich vermisse dich, Julia.", bei dem einem auch noch nicht wirklich bewusst wurde, wie schrecklich Amy sie wirklich vermisste.
 Amy hasste sich selbst und gönnte sich daher nichts. Einmal hatte sie Selbstmord begehen wollen, aber das verdiente sie nicht, wie sie fand. Das wäre zu gut für sie gewesen, wenn sie das alles nicht mehr ertragen müsste. Dieses Ding namens Leben. Mir wurde erst relativ spät bewusst, was für einen heftigen Hass sie mit sich trägt, was man anhand dieses Zitats aus einem Brief an Julia sehen kann:

Du bist immer gefahren. Warum war die Nacht so anders? Warum musstest du mich verlassen? Patrick hat recht. Ich hasse mich. Aber dich auch.

Und Amy begann mir wirklich leidzutun, falls sie das nicht längst tat. Vor Julias Tod war sie eine Trinkerin. Danach trank sie nicht mehr, weil sie dachte, sie hätte es nicht verdient, alles zu vergessen, wenn sie trank.

Da ist keine richtige Handlung, die sich entwickelt. So empfand ich das jedenfalls. Mal passiert dies, mal passiert das, keine Spannung, aber dennoch ist man wie gebannt von diesem Buch. Ich fand mich oft selbst wieder und wollte Amy einfach nur noch in den Arm nehmen und trösten. Und oh Gott, sie weinte nie! Als wäre da ein großer Damm, der ihre Tränen aufhielt, durchzubrechen. Erst später öffnete er sich. Amy lebte so dahin, nahm kaum etwas wahr und schrieb ihre Briefe an Julia. Sie ging zu ihrer Therapeutin, versuchte ihre Eltern davon zu überzeugen, dass sie eine Mörderin war und lernte ein Mädchen namens Caro (oder auch Corn Syrup), mit der sie früher schon einmal "befreundet" gewesen war, besser kennen. Sie traf sich mit Mel und Patrick, bereitete ein Projekt mit allen dreien vor und war nicht mehr ganz so alleine. Jedoch ließ sie keinen an sich heran. Sie stieß jeden weg, der sich ihr nähern wollte und so war es auch früher schon gewesen. Julia hatte immer die große Liebe gewollt und sah Sex als eine unglaubliche Bindung. Sie wollte eine Beziehung, eine feste Beziehung und jemanden, den sie aus ganzem Herzen lieben konnte. Amy hielt das alles für Mist und angelte sich auf Partys irgendwelche Loser, die sie einmal gebrauchte für den Abend und dann wie einen Waschlappen fallen ließ.

Bei Patrick war das anders. Wenn sie Patricks Hand berührte, spürte sie einen leichten Funken, ein Kribbeln in ihrer Brust und dennoch stieß sie ihn von sich weg, weil sie Angst vor diesem Gefühl hatte. Sie wollte niemandem nahekommen und erst recht nicht Patrick, mit dem sie beinahe einmal geschlafen hätte, dann aber kurz davor weggerannt war, weil ihr alles so seltsam vorkam.

Man fühlt mit Amy mit, das war es, was dieses Buch so großartig machte. So könnte es wirklich sein, wenn man seine beste Freundin verliert. Amy wurde wieder zu diesem einsamem, langweiligen Mädchen von vorher und hatte keinerlei Lust mehr am Leben.

Oberflächlich betrachtet ein sehr graues und tristes Buch, aber wenn man genauer hinsieht, kann man erkennen, wie viele verschiedene Gefühle darin vorkommen und was für ein farbenfroher Regenbogen sich in diesem Buch befindet. Denn Amy erinnert sich gelegentlich an Momente mit Julia, in denen sie beide glücklich, genervt oder sonst etwas waren. Hierrin geht es nicht nur um Julia, sondern auch um das Verhältnis zwischen Amy und ihren Eltern, die so sehr aneinander kleben, dass Amy sie nur noch als "MomundDad" bezeichnet. Oder "ColinundGrace". Zurück ließ es mich mit vielen nassen Taschentüchern, geschwollenen Augen und ganz vielen Gedanken im Kopf, wie: "Arme Amy ...", "Ich hasse Elizabeth Scott für diese letzte Seite" oder "Ich wünschte, ich hätte es nie gelesen", obwohl ich mir das eigentlich nicht wünschte. Denn wie man so viel Gefühl in eine Protagonistin reinstecken kann, ist mir ein Rätsel. Da war mir das mit der Handlung und der Spannung egal.

Fazit: Ein wunderschönes, trauriges und emotionales Buch mit einem zerreißenden Ende und einer starken und dennoch so zerbrochenen Hauptprotagonistin, die dem Leser das Herz bricht. Keine Spannung oder großartige Handlung, aber das spielt hier keine Rolle. Allein die Briefe an Julia hätten für mich schon ausgereicht, um diesem Buch 5 von 5 Hühnern zu verleihen. Danke, Elizabeth Scott, für dieses Leseerlebnis der Trauer und Sehnsucht. Das meine ich ehrlich.




 5 von 5 Hühnern

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One Response to Love You Hate You Miss You

  1. Bin schon oft drumherum geschlichen, hab es aber doch nie genommen ... Vielleicht ändert sich das dank deiner Rezi dann ja beim nächste Mal xD

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